Ich lief bis ans Ende der Welt. Und dort entdeckte ich zu meinem Erstaunen: etwas, ich wusste es bereits, nämlich das sie dort nicht endet, sondern sich weiter krümmt und nur menschliches Ermessen gesetzt hat einen Punkt ins Nichts. Gegen alle Widrigkeiten, gegen alle Unwägbarkeiten, gegen die Zeit, gegen alle Naturgewalt und gegen mich selbst, lief ich gegen diesen Punkt um zu finden, dass auch dieser nicht mehr jungfräulich war. Jetzt bleibt mir nur noch zu warten auf den Tod, der mich seitdem besucht hat schon zwei mal und zwei mal und verfehlt hat, genommen hat meine Kameraden, auf das er mich besucht das letzte mal und nicht mehr verfehlt. Auch die Zeit die mir bleibt verbringe ich nicht untätig: Es bleibt mir den letzten Kampf zu beginnen, jenen um mein Gedenken. Dieses Gedenken zumindest soll meine Leiche heben wo niemand sie mehr kann runter holen, damit sie verfault vor allen Augen, bis keine Augen mehr sind und auch kein Gedenken mehr.
So muss ich nun hier feststellen, hier im unendlichen Weiß, unter menschenfeindlichen Umständen, im Wissen meiner Erfrierungen und der noch zu kommenden Qualen des Lebensendes, dass ich dem sicheren Tod stolz entgegentrete, so wie auch alle mir Untergebenen, ihrer Pflicht gemäß, mir überall hin gefolgt waren, bis auf das Letzte, bei dem sie mir vorausgingen. Um so höher ist nun meine Pflicht sie unvergessen zu machen, damit sie auf ewig bezeugen können, meine Tragödie. Denn nur die Toten können so ein Zeugnis abgeben. Ein Zeugnis, das keinen Widerspruch duldet, weil jeder Widerspruch ein feiger Frevel an denen wäre die sich nicht mehr wehren können. Und sollte doch jemand erheben einen Einspruch, so werden da sein viele Verteidiger derer, die sich nicht mehr Verteidigen können, denn so wie du tust den Toten, so soll auch dir getan werden, auf ewig. Das ist die Macht der Toten über die da leben.
Ich habe aufgewandt: nichts da gewesenes um zu erreichen etwas nicht da gewesenes, zu bringen die größte Flagge unserer Zeit zum südlichen Pol, zum letzten unbekannten Ende unserer Erde. So wie andere vor mir brachten Flaggen ans Ende der Welt um zu entdecken, dass Flaggen größer werden, indem man sie bringt an nicht bekannte Orte.
Ein Schiff, die Terra Nova, drei moderne Motorschlitten, sibirische Ponys, wissenschaftliches Gerät, sogar Hunde … doch all dies konnte nicht verhindern, dass die Naturgewalten entschieden den Norweger, einem Hundetreiber, vor zu lassen seine Flagge zuerst zu tragen an die südliche Mitte der Erde. Noch bevor ich loszog war mein Schicksal besiegelt, obwohl ich dies erst jetzt weiß. Aber selbst mit diesem Wissen, möchte ich behaupten, dass ich nichts anders gemacht hätte und somit nichts zu bereuen habe. Denn nur so kann ich werden ein Exempel für alle, die da wollen Größer machen ihre Flaggen und ihren Namen. Zweifel sind Eisschollen durch die Motorschlitten und andere große Dinge brechen, versinken und vergessen werden.
Jeden meiner Schritte durch Schnee und Eis habe ich im Wissen um die Möglichkeit meines Todes gemacht und so ging es jedem der mit mir ging. Doch da Unvergesslichkeit mein eigentliches Ziel war, musste mein Tod eine Etappe werden auf dem Weg dorthin. Denn der Weg in die Unvergesslichkeit ist vielmals ein einmaliger Weg und der Weg über den Südpol war schon beschritten worden von Amundsen, dem Hundetreiber, also musste ich einen anderen Weg finden.
So tilge ich also fort jeden Zweifel an Gottes Unschuld an meinem Schicksal, denn er hat nicht gesandt seine Heerscharen um mich zu tragen die letzten Meilen bis zu meiner Rettung. Somit erfülle ich nun mein tragisches Ende,
Robert Falcon Scott
Montag, 17. August 2009
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